Dentigeröse Zysten beim Hund: Warum ein fehlender Zahn wichtig ist (305 und 405 beim Boxer)

Eine dentigeröse Zyste ist eine flüssigkeitsgefüllte Zyste, die sich typischerweise um die Krone eines nicht durchgebrochenen Zahnes bildet. Besonders häufig betroffen sind die ersten Prämolaren im Unterkiefer, die Zähne 305 und 405.
Warum sind die Zähne 305 und 405 so wichtig?
Der erste untere Prämolar bleibt bei Hunden besonders oft im Kiefer zurück. Kurzköpfige (brachyzephale) Rassen sind deutlich überrepräsentiert: In einer Untersuchung von 192 Hunden mit 279 Zysten waren Boxer mit 48 Hunden die zweithäufigste Rasse, und rund 84 % der Zysten betrafen den ersten unteren Prämolaren. In einer kleineren Studie entwickelten 90 % der untersuchten Boxer mit retinierten Zähnen eine begleitende Veränderung.
Fehlt ein bleibender Zahn, klären wir deshalb mit intraoralem Dentalröntgen, ob er tatsächlich nicht angelegt ist, im Kiefer zurückgehalten wird, verlagert ist oder bereits von einer Zyste umgeben ist.
Boxer: besondere Aufmerksamkeit bei 305 und 405
Ein scheinbar harmloser Befund wie „305 fehlt“ oder „405 fehlt“ sollte Anlass zur Abklärung sein. Bei einem zurückgehaltenen Zahn besteht ein relevantes Risiko für eine Zyste. Eine frühe Röntgenuntersuchung kann solche Veränderungen erkennen, bevor größere Mengen Kieferknochen zerstört werden.
Mögliche Anzeichen
Eine dentigeröse Zyste kann lange ohne erkennbare Symptome bestehen. Mögliche Befunde sind:
- fehlender bleibender Zahn
- Schwellung des Zahnfleisches oder des Gesichts
- bläulich oder grau erscheinende Schleimhaut
- Lockerung benachbarter Zähne
- Verlust von Knochen
Mit zunehmender Größe kann die Zyste Knochen verdrängen und zerstören und benachbarte Zahnwurzeln betreffen. In fortgeschrittenen Fällen kann sogar das Risiko eines krankhaften Kieferbruchs steigen.
Diagnostik
Die wichtigste Untersuchung ist die intraorale Dentalradiographie. Sie zeigt, ob und wo der Zahn liegt, ob eine Zyste vorhanden ist, wie groß sie ist, welche Nachbarzähne betroffen sind und wie viel Knochen verloren ging. Bei großen oder komplizierten Veränderungen kann zusätzlich eine CT-Untersuchung sinnvoll sein. Eine sichere Diagnose liefert die histopathologische Untersuchung der Zystenwand.
Behandlung
Kleine Zysten
Die Therapie besteht in der Regel aus der chirurgischen Darstellung, der Entfernung des zurückgehaltenen Zahnes, der vollständigen Entfernung der Zystenauskleidung, einer sorgfältigen Reinigung und gegebenenfalls einem spannungsfreien Verschluss. Die vollständige Entfernung der Zystenwand ist wichtig, weil verbliebenes Gewebe zu einer erneuten Zystenbildung führen kann. Das Gewebe sollte histopathologisch untersucht werden.
Große Zysten
Bei sehr großen Zysten kann eine vollständige Entfernung in einer Sitzung schwierig oder riskant für benachbarte Strukturen sein. In ausgewählten Fällen kommt dann eine Marsupialisation infrage: Die Zyste wird eröffnet und so mit der Maulschleimhaut verbunden, dass eine Öffnung bleibt. Dadurch kann sie sich entlasten und über längere Zeit verkleinern. Später können, je nach Verlauf, verbliebene Zystenanteile entfernt werden. Eine Fallserie mit zwölf Zysten bei Boxern beschreibt dieses Vorgehen als ersten Behandlungsschritt.
Termin in unserer Praxis in Mannheim
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Fachliche Quellen
- Niemiec B, Gawor J, Nemec A et al.: World Small Animal Veterinary Association Global Dental Guidelines. Journal of Small Animal Practice, 2020.
- Vesterinen S, Lönnberg L, Junnila JJT, Luotonen N, Kuntsi H: Clinical and histopathological study of 279 dentigerous cysts in 192 dogs (2012–2022). Frontiers in Veterinary Science, 2024.
- Bellei E, Ferro S, Zini E, Gracis M: A Clinical, Radiographic and Histological Study of Unerupted Teeth in Dogs and Cats: 73 Cases (2001–2018). Frontiers in Veterinary Science, 2019.
- Haseler J, Tundo I, Southerden P: Marsupialisation of 12 odontogenic cysts in Boxer dogs: Retrospective case series. Frontiers in Veterinary Science, 2023.
Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine tierärztliche Untersuchung. Die konkrete Therapie wird nach klinischer Untersuchung, Dentalröntgen und individueller Beurteilung Ihres Tieres festgelegt.