Zahnmedizin

Zahnfleischwucherung bei Hund und Katze: Epulis und FHGL

Das Wichtigste in Kürze: Eine Zahnfleischwucherung ist nicht automatisch „nur Zahnfleisch“. Am Aussehen allein lässt sich keine sichere Diagnose stellen. Bei unklaren, schnell wachsenden oder wiederkehrenden Veränderungen ist eine feingewebliche Untersuchung wichtig.

Kontrolle des Zahnfleisches bei einem Hund

Eine häufige Veränderung des Zahnfleisches ist die fibromatöse Hyperplasie des gingivalen Ligaments (FHGL, englisch fibromatous hyperplasia of the gingival ligament). In der älteren Literatur finden sich dafür Begriffe wie „Epulis“, „fibröse Epulis“ oder „peripheres odontogenes Fibrom“ (POF). Die neuere Bezeichnung FHGL wird vorgeschlagen, weil es sich nach aktueller Auffassung um eine reaktive, hyperplastische Veränderung handelt und nicht um einen klassischen bösartigen Tumor.

Wie sieht eine FHGL aus?

  • umschriebene oder breit aufsitzende Zahnfleischwucherung
  • meist feste, derbe Veränderung
  • rosafarbene bis teilweise pigmentierte Masse
  • häufig in Zahnnähe

Eine FHGL kann bei Hunden und Katzen vorkommen. Sie kann einer gewöhnlichen Zahnfleischvergrößerung oder anderen Veränderungen im Maul sehr ähnlich sehen.

Warum ist die histopathologische Untersuchung wichtig?

Eine Zahnfleischwucherung kann unterschiedliche Ursachen haben. Neben der FHGL kommen entzündliche Veränderungen, andere vom Zahn ausgehende Läsionen und, abhängig von Alter, Lage und Aussehen, auch Tumoren infrage. Bei atypischen, ausgeprägten, schnell wachsenden oder wiederkehrenden Veränderungen sollte das Gewebe deshalb feingeweblich untersucht werden.

Behandlung der FHGL

Die Behandlung richtet sich nach Größe, Lage, Ausdehnung und Begleiterkrankungen. Bei einer klinisch relevanten FHGL besteht sie grundsätzlich in der chirurgischen Entfernung oder Reduktion des überschüssigen Gewebes. Wichtig sind dabei:

  1. vollständige klinische Untersuchung der betroffenen Region
  2. Beurteilung der angrenzenden Zähne und des Zahnhalteapparates
  3. Dentalröntgen zur Beurteilung von Knochen und Zahnwurzeln
  4. chirurgische Entfernung oder Konturierung der Veränderung
  5. Behandlung einer gleichzeitig bestehenden Parodontitis
  6. histopathologische Untersuchung bei diagnostischer Unsicherheit

Bei größeren oder tief reichenden Veränderungen ist darauf zu achten, dass nicht nur die sichtbare Oberfläche entfernt wird. Eine gute Plaquekontrolle hilft, erneute Veränderungen möglichst zu reduzieren.

Termin in unserer Praxis in Mannheim

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Fachliche Quellen

  1. Histomorphologic evidence supports a hyperplastic pathogenesis of fibromatous epulis of periodontal ligament origin/peripheral odontogenic fibroma and proposal of fibromatous hyperplasia of the gingival ligament as unifying nomenclature. Veterinary Pathology, 2026.
  2. Niemiec B, Gawor J, Nemec A et al.: World Small Animal Veterinary Association Global Dental Guidelines. Journal of Small Animal Practice, 2020.

Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine tierärztliche Untersuchung. Die konkrete Therapie wird nach klinischer Untersuchung, Dentalröntgen und individueller Beurteilung Ihres Tieres festgelegt.